Was für ein Abend in Wien! Der Eurovision Song Contest 2026 fand am Samstag in der Wiener Stadthalle statt, wo 25 Länder um die Trophäe und das Recht kämpften, den Wettbewerb im nächsten Jahr auszurichten. Am Ende stand fest: Dara aus Bulgarien gewann mit ihrem Song „Bangaranga“ und 516 Punkten die 70. Ausgabe des ESC – mit 204 Jury-Punkten und 312 Punkten aus dem Televoting. Damit holte Bulgarien seinen allerersten Sieg beim Eurovision Song Contest. Und kaum jemand hatte das auf dem Zettel.
Dara setzt sich beim Eurovision 2026 durch
Dara, die bürgerlich Darina Yotova heißt, machte sich zunächst bei X Factor Bulgaria einen Namen und entwickelte sich anschließend zu einer der bekanntesten Pop-Persönlichkeiten der modernen Balkan-Musikszene. Sie ist zudem als Mentorin bei „The Voice Bulgaria“ bekannt, galt vor dem Finale allerdings nicht als eine der Top-Favoritinnen. Umso größer die Überraschung, als ihr energiegeladener Dance-Track „Bangaranga“ sowohl die Jurys als auch die Zuschauer komplett überzeugte. Bulgarien sicherte sich den ersten Platz bei Jury und Televoting gleichzeitig – das war zuletzt 2017 einem Land gelungen.
Den Song hat Dara gemeinsam mit Anne Judith Wik, Cristian Tarcea und Dimitris Kontopoulos geschrieben. Die Staging-Regie übernahm Fredrik Rydman, und das Ergebnis war ein Auftritt, der den gesamten Saal zum Kochen brachte.
Alle Platzierungen beim ESC 2026 Grand Final
Hier die komplette Ergebnistabelle aller 25 Länder im Grand Final von Wien:
| Platz | Land | Künstler | Song | Jury | Televoting | Gesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Bulgarien | Dara | Bangaranga | 204 | 312 | 516 |
| 2 | Israel | Noam Bettan | Michelle | 123 | 220 | 343 |
| 3 | Rumänien | Alexandra Căpitănescu | Choke Me | 64 | 232 | 296 |
| 4 | Australien | Delta Goodrem | Eclipse | 165 | 122 | 287 |
| 5 | Italien | Sal Da Vinci | Per Sempre Sì | 134 | 147 | 281 |
| 6 | Finnland | Lampenius & Parkkonen | Liekinheitin | 141 | 138 | 279 |
| 7 | Dänemark | Søren Torpegaard Lund | Før Vi Går Hjem | 165 | 78 | 243 |
| 8 | Moldau | Satoshi | Viva, Moldova | – | 183 | – |
| 9 | Ukraine | Leléka | Ridnym | – | 167 | – |
| 10 | Griechenland | Akylas | Ferto | – | 147 | – |
| 11 | Albanien | Alis | Nân | – | 85 | – |
| 12 | Kroatien | Lelek | Andromeda | – | – | – |
| 13 | Serbien | Lavina | Kraj Mene | – | – | – |
| 14 | Norwegen | Jonas Lovv | Ya Ya Ya | – | – | – |
| 15 | Polen | Alicja | Pray | – | – | – |
| 16 | Schweden | Felicia | My System | – | 16 | – |
| 17 | Frankreich | Monroe | Regarde | 144 | 14 | 158 |
| 18 | Litauen | Lion Ceccah | Sólo Quiero Más | – | 12 | – |
| 19 | Zypern | Antigoni Buxton | Jalla | – | – | – |
| 20 | Tschechien | Daniel Žižka | Crossroads | – | 9 | – |
| 21 | Malta | Aidan | Bella | – | 8 | – |
| 22 | Belgien | ESSYLA | Dancing on the Ice | – | 0 | – |
| 23 | Deutschland | Sarah Engels | Fire | 12 | 0 | 12 |
| 24 | Österreich | Cosmó | Tanzschein | – | 5 | – |
| 25 | Vereinigtes Königreich | Look Mum No Computer | Eins, Zwei, Drei | 1 | 0 | 1 |
Bis zur finalen Verkündung des Televotings sah es so aus, als würde Israels Noam Bettan mit seiner Rock-Ballade „Michelle“ – gesungen auf Hebräisch, Französisch und Englisch – den Sieg holen. Dann kamen Daras Televoting-Punkte, und alles drehte sich. Rumänien landete mit 296 Punkten auf dem dritten Platz, während Australien mit 287 Punkten den vierten Rang belegte. Italien schloss das Finale mit Sal Da Vinci und „Per Sempre Sì“ auf dem fünften Platz ab.
Dramatisches Voting: Israel führt, dann kommt Dara
Das Spannendste am ESC-Abend 2026 war ohne Frage die Voting-Sequenz. Israel erhielt 220 Punkte im Televoting und rückte damit an die Spitze des Leaderboards. Im Saal waren laute Buhrufe zu hören. Doch als Bulgariens Televoting-Punkte aufgerufen wurden, war der Vorsprung nicht mehr zu halten. 312 Punkte aus dem Publikumsvoting allein sprengten jede Konkurrenz. Der Vorsprung von 173 Punkten auf den Zweitplatzierten Israel war die größte Siegesmarge in der Geschichte des ESC.
Sarah Engels und der deutsche ESC-Abend in Wien
Deutschland landete mit Sarah Engels und ihrem Song „Fire“ auf Platz 23. Die insgesamt mageren zwölf Punkte stammten ausschließlich von den Fachjurys – vier davon aus Italien, vier aus Portugal sowie jeweils zwei aus Bulgarien und Belgien. Vom Publikum gab es null Punkte, womit Deutschland den drittletzten Platz belegte. Erschwerend kam hinzu, dass Engels auf dem berüchtigten Startplatz 2 antreten musste – historisch betrachtet eine der undankbarsten Positionen im gesamten Wettbewerb. Direkt nach dem dänischen Eröffnungsbeitrag und unmittelbar vor Israels umstrittenem Auftritt blieb ihr Song in der Wahrnehmung vieler Zuschauer auf der Strecke. Trotz des enttäuschenden Ergebnisses zeigte sich die 33-Jährige zufrieden und betonte im Gespräch mit Moderator Sven Epiney, wie viel Spaß ihr der Abend bereitet habe. Sie selbst hatte von Anfang an betont, dass ihr die Platzierung nicht das Wichtigste sei.
Finnland enttäuscht, UK kassiert historisches Debakel
Finnland, der große Favorit der Buchmacher, holte am Ende nur 279 Punkte und verpasste die Top-Platzierung deutlich. Im Televoting sammelte das Land lediglich 138 Punkte ein. Linda Lampenius und Pete Parkkonen hatten mit „Liekinheitin“ im Vorfeld alle Fan-Umfragen dominiert, konnten am Abend selbst aber nicht liefern.
Und dann wäre da noch das Vereinigte Königreich. Look Mum No Computer erhielt gerade einmal einen einzigen Jury-Punkt und null vom Publikum – damit landete der YouTuber Sam Battle auf dem letzten Platz. Er nahm es mit Humor und feierte seinen einen Punkt mit erhobenem Zeigefinger.
Auch Frankreich hatte einen schwachen Abend und holte nur 14 Televoting-Punkte.
Weitere Platzierungen beim ESC 2026
Neben den Top 5 stachen ein paar weitere Ergebnisse hervor:
- Griechenland kam mit Akylas und seinem Song „Ferto“ auf den 10. Platz.
- Zypern landete mit Antigoni Buxton und „Jalla“ auf Rang 19.
- Moldau räumte bei den Publikumspunkten ordentlich ab und schoss kurzzeitig an die Spitze der Tabelle.
Insgesamt traten 25 Länder im Grand Final an, aus einem Teilnehmerfeld von 35 Nationen.
Boykott und Kontroversen beim Eurovision Song Contest 2026
Das Thema, das den gesamten Contest begleitete: Island, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien verzichteten auf eine Teilnahme aus Protest gegen Israels Beteiligung im Kontext des Gaza-Kriegs. Mit nur 35 teilnehmenden Ländern war es das kleinste Feld seit 2003 – also noch bevor die Halbfinals 2004 eingeführt wurden.
Die EBU reagierte mit verschärften Regeln: Nationale Jurys wurden von fünf auf sieben Mitglieder aufgestockt, und die maximale Stimmenzahl pro Zahlungsmethode wurde von 20 auf 10 reduziert. Zudem wurden die Richtlinien aktualisiert, um unverhältnismäßige Werbekampagnen zu unterbinden – eine direkte Reaktion auf die Kontroverse rund um Israels Ergebnis beim ESC 2025.
Bulgarien feiert, der ESC 2027 kommt nach Sofia
Bulgarien, Rumänien und Moldau kehrten 2026 nach vorherigen Pausen zum ESC zurück, was Bulgariens Triumph noch besonderer macht. Der 71. Eurovision Song Contest findet nächstes Jahr in Bulgarien statt, und die Vorfreude dürfte nach diesem historischen Ergebnis riesig sein.
Dara hat mit „Bangaranga“ einen Song abgeliefert, der noch lange in den Ohren bleiben wird. Von wegen Geheimfavoritin – sie nahm die Crystal Microphone unter Tränen von Vorjahressieger JJ aus Österreich entgegen und rief dabei nur: „Oh my god!“, wie NPR berichtete.
Der Eurovision Song Contest 2026 geht als einer der spannendsten in die Geschichte ein. Fünf Boykotte, ein Underdog-Sieg, ein UK-Debakel und jede Menge Drama beim Voting. Mehr ESC geht kaum.

