Am Samstag, dem 16. Mai, steht in Wien das große Finale des Eurovision Song Contest an. Sarah Engels, 33 Jahre alt und gebürtige Kölnerin, hat den deutschen Vorentscheid mit ihrem Song „Fire“ gewonnen und tritt damit für Deutschland beim ESC 2026 an. Die Frage, die ganz Deutschland umtreibt: Kann sie es nach jahrelanger ESC-Flaute endlich in die obere Hälfte schaffen? Oder droht mal wieder eine Enttäuschung? Die Antwort ist komplizierter, als du vielleicht denkst.
Das sagen die Buchmacher zu Sarah Engels‘ ESC-Chancen
Direkt vorweg: Die Wettanbieter sehen Deutschland aktuell nicht gerade auf der Sonnenseite. Laut Buchmacher-Prognosen landet Sarah Engels auf Platz 23 von 35 Teilnehmerländern, bei einer Siegchance von unter einem Prozent (Stand: 12. Mai). Die Quote für einen deutschen ESC-Sieg liegt bei Interwetten bei 250, was einer Gewinnwahrscheinlichkeit von gerade mal 0,4 Prozent entspricht.
Klingt ernüchternd. Aber Moment: Optimisten halten den Song für absolut ESC-tauglich und verweisen auf die enorme Bühnenerfahrung der Sängerin. Und wer sich die letzten Tage in Wien angeschaut hat, weiß: Auf dem Papier ist das eine Sache, auf der Bühne eine ganz andere.
Halbfinale in Wien: Sarah Engels legt ein echtes Statement hin
Deutschland musste im ersten Halbfinale am Dienstag zwar nicht zittern, doch Sarah Engels nutzte ihren Auftritt außer Konkurrenz für ein echtes Statement. Ihre Performance zum Song „Fire“ galt als der Show-Moment des Abends.
Und das war keine langweilige Standard-Nummer. Mitten in der Choreografie kletterte sie auf eine erhöhte Plattform und ließ sich rückwärts aus über zwei Metern Höhe fallen, aufgefangen von ihren vier Tänzerinnen. Dazu kam ein Kostümwechsel live auf der Bühne: Sie betrat die Bühne zunächst in einem weißen Kleid, das ihre Tänzerinnen im Verlauf der Nummer vom Leib rissen, darunter kam ein knapper Body mit Overknee-Stiefeln zum Vorschein.
Das Publikum in der Wiener Stadthalle reagierte mit lautem Jubel. Und auch in den sozialen Medien ging richtig was ab.
So reagiert das Netz auf die „Fire“-Performance
Die Reaktionen im Internet fallen deutlich positiver aus, als die meisten erwartet hatten. Auf X schrieb ein Fan: „Der beste Song, den Deutschland seit Jahren eingereicht hat.“ Andere sprachen davon, dass Deutschland endlich „Feuer zum ESC“ gebracht habe. Manche trauten ihr sogar einen Angriff auf die Top 10 zu.
Auch deutsche Zuschauer, die vorher skeptisch waren, zeigten sich laut t-online überrascht und beeindruckt. In den vergangenen Wochen war „Fire“ zudem der meistgesuchte ESC-Beitrag auf Google, was zeigt, dass das Interesse an Deutschlands Beitrag riesig ist.
Umfragen nach dem Halbfinale: Deutschland holt auf
Besonders spannend sind die Umfrageergebnisse, die nach Sarah Engels‘ Halbfinale-Auftritt erhoben wurden. In einer Umfrage mit rund 40.000 Teilnehmern glaubten 11,1 Prozent nach dem Halbfinale, dass die 33-Jährige sogar den ESC-Sieg holen könnte. Vor ihrem Live-Auftritt in Wien sah das noch ganz anders aus: Als Engels zum deutschen ESC-Act gewählt wurde, glaubten nur 6,3 Prozent an ihren Triumph.
Noch deutlicher: Vor dem Halbfinale dachten 40,4 Prozent, sie würde auf dem letzten Platz landen. Nach dem Auftritt sind es nur noch 22,8 Prozent. Der Trend geht also klar nach oben.
Was Experten und ESC-Kenner sagen
ESC-Kommentator Thorsten Schorn, der das Finale für die ARD kommentieren wird, zeigt sich optimistisch. Er hält Sarah Engels für eine der besten Live-Stimmen beim diesjährigen Eurovision Song Contest. „Sie ist top motiviert. Sie will es jetzt wissen und wird in Wien die bestmögliche Show abliefern“, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.
Auch der Vorjahressieger hat sich geäußert: ESC-Gewinner JJ aus Österreich kennt Sarah Engels noch von DSDS und lobt ihre „krasse Stimme“. „Fire“ gefalle ihm sehr gut, er sei vor allem gespannt auf die Inszenierung.
Gleichzeitig gibt es auch kritische Stimmen. Hape Kerkeling etwa sieht für Deutschland schwarz und meint: „Die Deutschen haben keine Lobby.“ Damit spielt er laut t-online auf das strukturelle Problem an, dass Nachbarländer sich beim Voting gegenseitig Punkte zuschieben, Deutschland aber kaum verlässliche Verbündete hat.
ESC-Experte Daniel Kähler vom ZDF ordnet es nüchterner ein: Er prognostiziert Platz 15 und meint, einen Song wie diesen habe es in der ESC-Geschichte schon öfter gegeben.
Das spricht für und gegen Sarah Engels beim ESC
Was für sie spricht:
- Live-Gesang auf Top-Niveau
- Aufwändige, professionelle Bühnenshow mit Outfitwechsel und Stunt
- „Fire“ war der meistgesuchte ESC-Beitrag auf Google
- Positiver Stimmungsumschwung nach dem Halbfinale
- Hoher Bekanntheitsgrad in Deutschland durch DSDS und Social Media
Was gegen sie spricht:
- Der Song hat keine Ecken und Kanten, die ihn zwischen den anderen Kandidaten herausstechen lassen
- Finnland gilt mit über 35 Prozent Siegwahrscheinlichkeit als der dominante Favorit
- Länder wie Finnland, Frankreich, Griechenland und Dänemark werden als klare Top-Favoriten gehandelt
- Deutschlands ESC-Bilanz der letzten Jahre ist alles andere als ermutigend
ESC-Finale am Samstag: Was du wissen musst
25 Songs treten im Finale des 70. Eurovision Song Contest an, das Erste überträgt live in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai. Top-Favorit ist Finnland mit dem Duo Linda Lampenius und Pete Parkkonen, denen die Buchmacher rund 30 Prozent Siegchance einräumen.
Ob Sarah Engels beim ESC 2026 wirklich die Überraschung schafft und Deutschland aus dem Quotenkeller holt, wissen wir erst am Samstagabend. Eins steht aber schon fest: Die Performance in Wien hat gezeigt, dass mit ihr zu rechnen ist. Die Sängerin hat eine Show abgeliefert, die deutlich über dem Niveau der letzten deutschen ESC-Beiträge liegt. Und wer weiß: Vielleicht brennt „Fire“ am Ende ja doch heller, als die Buchmacher glauben.


