Wer deutsche Twitch-Streamerinnen verfolgt, kennt das Phänomen: Der öffentliche Account auf Instagram und Twitch läuft super – und irgendwo gibt es noch einen zweiten, den man nur findet, wenn man gezielt sucht. Was genau dort passiert und warum immer mehr Creatorinnen diesen Weg gehen, erklären wir euch hier.
Der zweite Account – was ist das eigentlich?
Plattformen wie BestFans, OnlyFans oder MYM funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Fans zahlen ein Abo oder einen Einzelpreis für exklusivere Inhalte, die es auf Instagram oder Twitch so nicht gibt. Das können intime Einblicke sein, explizitere Fotos oder einfach ein direkterer Kontakt zur Creatorin. Kein Algorithmus entscheidet, was gezeigt werden darf – die Creatorin selbst macht die Regeln.
Und genau das ist der Punkt, der für viele den Unterschied macht.
Alexisshv: Twitch, Gaming – und BestFans
Alexisshv – bürgerlich Alexandra, aufgewachsen in Hamburg – ist vielen aus der deutschen Twitch-Szene ein Begriff. Über 149.000 Follower auf Twitch, über 306.000 auf Instagram, dazu der eigene Web-Content unter Alexis Around the World, in dem sie mit anderen Creatoren wie Syrix und AngelinaFTG durch Italien, Südafrika und die Côte d’Azur tourt. Gaming, Lifestyle, Just Chatting – auf den öffentlichen Kanälen ist Alexis omnipräsent.
Was viele nicht wissen: Seit Jahren betreibt sie parallel dazu Alexisshv BestFans-Account – und das sehr offen. Im Tim Gabel Podcast sprach sie unverblümt darüber, was sie mit Paid-Content-Plattformen macht, wie viel sie verdient (mindestens fünfstellig im Monat) und warum sie keinen Grund sieht, das zu verstecken. Ihr Argument: Selbstbestimmung. Keine fremden Regeln, keine Plattform, die ihr vorschreibt, welcher Content „okay“ ist. Und eine Community, die ihr direkt – nicht über einen Algorithmus – zeigt, dass sie das schätzen.
Das ist kein Geheimnis, auch kein Widerspruch. Für Alexis ist es einfach ein weiterer Kanal in ihrem Creator-Business.
JenNyan: 15.000 Euro im Monat – und trotzdem aufgehört
Nicht jede Streamerin geht diesen Weg dauerhaft. JenNyan – bürgerlich Jennifer, gebürtig aus Leipzig, heute in Berlin – ist das bekannteste Gegenbeispiel. Bevor sie auf Twitch groß rauskam, war sie als Erzieherin tätig und machte nebenbei Cosplays. Über erotische Cosplays gelangte sie schließlich zu OnlyFans, wo sie laut eigener Aussage zwischen 10.000 und 15.000 Euro im Monat verdiente.
Dann kam das Twitch-Event „Rustplatz“ im Januar 2021 – und von einem Monat auf den anderen explodierten ihre Zuschauerzahlen um über 300 Prozent. Managements wurden auf sie aufmerksam, Kooperationsanfragen kamen rein. Nur: Mehrere Firmen machten klar, dass sie nicht mit ihr zusammenarbeiten würden, solange sie OnlyFans betreibt.
JenNyan entschied sich für Twitch. Der finanzielle Einschnitt war, wie sie selbst sagte, „schon ziemlich krass“ – aber die Streaming-Karriere folgte. Heute ist sie mit durchschnittlich bis zu 2.500 Zuschauern eine der etablierten weiblichen Stimmen im deutschen Twitch. Interessant: Sie glaubt, mit einer Rückkehr zu OnlyFans heute 60.000 bis 100.000 Euro pro Monat verdienen zu können – schließt das aber aktuell aus.
Zwei Creatorinnen, zwei völlig unterschiedliche Entscheidungen – beide nachvollziehbar.
Warum ist das überhaupt ein Thema?
Weil es zeigt, wie der Creator-Markt 2026 wirklich funktioniert. Twitch zahlt über Abos und Bits, YouTube über Ads und Memberships, Instagram über Brand Deals – aber bei all diesen Modellen sitzt immer eine Plattform mit am Tisch, die Regeln setzt, Inhalte einschränkt und einen Teil des Umsatzes abzieht.
Paid-Content-Plattformen wie BestFans sind im Grunde das Gegenmodell: direkter Zugang, eigene Preise, eigene Inhalte. Für Creatorinnen, die bereit sind, dort aktiv zu sein, ergibt sich ein Einkommenskanal, der von keinem Algorithmus abhängt.
Ob man das gut findet oder nicht – aus Business-Perspektive macht es Sinn. Und der „geheime zweite Account“ ist in den allermeisten Fällen gar kein Geheimnis: Wer danach sucht, findet ihn. Wer nicht sucht, der bekommt auf Twitch einfach weiterhin den normalen Stream.
Fazit: Nichts ist wirklich geheim
Das Interessante an diesem Phänomen ist eigentlich, wie offen die meisten Creatorinnen darüber reden. Alexisshv macht daraus im Podcast kein Hehl. JenNyan erklärt öffentlich ihre Beweggründe, es zu beenden. Es ist kein Doppelleben – es ist eine Karriereentscheidung. Und die treffen diese Frauen selbst.

