Monogamie und Co.: Welche Beziehungsform passt zu dir?

Von monogam bis offen: alle modernen Beziehungsformen im Überblick.

Früher gab es genau zwei Optionen: zusammen oder Single. Heute jonglierst du mit Situationships, offenen Modellen, Polyamorie und Begriffen, die letztes Jahr noch keiner kannte. Und mittendrin steht die gute alte Monogamie und muss sich plötzlich rechtfertigen, als wäre Treue irgendwie aus der Mode gekommen. Höchste Zeit, einmal in Ruhe zu sortieren, was Monogamie eigentlich heißt, welche Alternativen es gibt und wie du herausfindest, was wirklich zu dir passt.

Was bedeutet Monogamie?

Monogamie heißt im Kern: Du bist zu einem Zeitpunkt mit genau einer Person zusammen, romantisch wie sexuell exklusiv. Das Wort stammt aus dem Griechischen, von monos für allein und gamos für Ehe. Klingt simpel, ist es im Grunde auch. Spannender ist die Frage, wie ehrlich der Begriff heute noch ist. Denn kaum jemand bleibt tatsächlich ein Leben lang bei derselben Person.

Was die meisten wirklich leben, nennt sich serielle Monogamie: eine treue Beziehung, dann Trennung, dann die nächste treue Beziehung. Treu ja, aber in Etappen. „Für immer“ ist dabei weniger ein Versprechen als eine Hoffnung, und das ist völlig in Ordnung.

Ist der Mensch von Natur aus monogam?

Paar hält Händchen und genießt die Sicherheit einer monogamen Beziehung
Statt die Energie zu verteilen, fließt sie in eine einzige tiefe Bindung. Genau das ist für viele der Luxus.

Die Lieblingsfrage jeder hitzigen Diskussionsrunde, und die ehrliche Antwort lautet: kompliziert. Im Tierreich ist lebenslange Treue jedenfalls die absolute Ausnahme, nur eine Handvoll Arten zieht das wirklich durch. Der Mensch sitzt irgendwo dazwischen. Wir gehen tiefe Paarbindungen ein, sind aber gleichzeitig durchaus fähig, uns in mehr als eine Person gleichzeitig zu verknallen.

In einem Punkt ist sich die Wissenschaft ziemlich einig: Monogamie ist weniger ein biologischer Automatismus als eine bewusste Entscheidung, kulturell geprägt und jeden Tag aufs Neue getroffen. Heißt für dich: Treue ist kein Zustand, der einfach passiert, sondern etwas, das man will und tut.

Jenseits der Monogamie: konsensuelle Nicht-Monogamie

Drei junge Leute zusammen als Sinnbild für moderne Beziehungsformen
Ob klassisch zu zweit oder ganz anders: An Beziehungsformen mangelt es heute nicht.

Sobald mehr als zwei Menschen im Spiel sind oder die Exklusivität bewusst wegfällt, landest du bei der konsensuellen Nicht-Monogamie. Das Wörtchen konsensuell ist dabei der ganze Knackpunkt: Alle wissen Bescheid, alle sind einverstanden. Genau das trennt diese Modelle vom Fremdgehen, bei dem nicht die Liebe zu mehreren das Problem ist, sondern die Lüge. Die bekanntesten Spielarten:

Offene Beziehung

In einer offenen Beziehung seid ihr ein festes Paar, dürft aber Sex mit anderen haben. Das Herz gehört einem, der Rest darf gelegentlich auf Reisen gehen. Was erlaubt ist und was absolut tabu, steht und fällt mit glasklaren Absprachen.

Polyamorie

Polyamorie geht einen Schritt weiter: Hier liebst du mehrere Menschen gleichzeitig, offen und mit dem Einverständnis aller Beteiligten. Anders als bei der offenen Beziehung geht es nicht um Sex nebenbei, sondern um echte, gleichwertige Liebesbeziehungen parallel. Ein eigenes großes Thema, das eine kurze Erklärung kaum fasst.

Friends with Benefits

Freundschaft plus, neudeutsch Friends with Benefits, ist die Freundschaft mit Sex, aber ohne die Gefühlsebene einer Beziehung. Solange beide dasselbe wollen, kann das wunderbar funktionieren. Sobald aus der Nähe doch mehr wird, ohne dass es jemand ausspricht, rutschst du Richtung Intimität ohne Commitment.

Situationship

Die Situationship ist der Sonderfall im Quartett, weil hier gar nichts vereinbart ist. Mehr als Freundschaft, weniger als Beziehung, und keiner traut sich zu fragen, was das hier eigentlich soll. Während die anderen Modelle auf klaren Absprachen beruhen, lebt die Situationship von genau deren Abwesenheit.

Ist Monogamie noch zeitgemäß?

Die Frage hört man gerade ständig, oft mit einem leicht überheblichen Unterton, als wäre Treue etwas für Menschen ohne Fantasie. Die ehrliche Antwort ist unspektakulär: Es gibt kein besser oder schlechter. Monogamie schenkt vielen Menschen Tiefe, Sicherheit und einen Ort, an dem sie ganz ankommen. Andere fühlen sich darin eingesperrt und blühen in offeneren Modellen erst richtig auf.

Schiefgehen kann übrigens jede Form, sobald einer heimlich etwas anderes will und den Mund hält. Eine offene Beziehung ohne Vertrauen ist genauso zum Scheitern verurteilt wie eine monogame ohne Ehrlichkeit. Nicht das Modell entscheidet, sondern wie offen ihr darüber redet.

Welche Beziehungsform passt zu dir?

Junge Frau überlegt nachdenklich, welche Beziehungsform zu ihr passt
Statt dem Trend zu folgen, lohnt sich die ehrliche Frage, was du selbst eigentlich brauchst.

Statt dem neuesten Trend hinterherzurennen, lohnt sich eine ehrliche Inventur. Frag dich:

  • Macht dich exklusive Zweisamkeit ruhig oder fühlt sie sich eng an?
  • Wie gut kommst du mit Eifersucht klar, bei dir und beim anderen?
  • Kannst du offen über Bedürfnisse und Grenzen reden, auch wenn es unangenehm wird?
  • Suchst du eher Sicherheit, eher Freiheit oder eine ehrliche Mischung aus beidem?

Wie sehr dir Exklusivität guttut oder zu eng wird, hängt eng mit deinem Bindungstyp zusammen. Wer schnell Verlustangst spürt, fühlt sich in klarer Monogamie meist sicherer, während andere die Luft offenerer Modelle zum Atmen brauchen.

Es gibt nicht die eine richtige Art zu lieben, nur die, die zu dir und deinem Gegenüber passt. Am Ende zählt nicht das Etikett, das ihr eurer Beziehung gebt, sondern dass alle dasselbe Spiel spielen und die Regeln kennen.

Das könnte dich auch interessieren
Verpasse keine Story!
41,029FansGefällt mir
10,147FollowerFolgen
127,560AbonnentenAbonnieren

Neu