Claude ist down – und das ausgerechnet jetzt, wo der KI-Chatbot von Anthropic gerade seinen bisher größten Hype erlebt. Seit dem 2. März 2026 um 11:49 UTC meldet die offizielle Statusseite einen ungelösten Zwischenfall unter dem Titel „Elevated errors on claude.ai“. Allein in der letzten Stunde gingen über 1271 Nutzer-Meldungen bei Tracking-Diensten ein. Wer gerade versucht, Claude zu nutzen, stößt auf Fehlermeldungen statt auf Antworten.
Was genau passiert bei der Claude-Störung?
Die Website zeigt aktuell die Meldung „Claude will return soon. Claude is currently experiencing a temporary service disruption.“ Auf der Statusseite untersucht das Team die erhöhten Fehlerraten auf claude.ai. Nutzer weltweit berichten, dass der Dienst weder über den Browser noch über die Desktop-App erreichbar ist.
Ein User aus den USA schreibt bei IsDown: „This isn’t working right now. Really bad timing guys.“ Auch über Desktop und Website sei kein Zugriff möglich. Aus den Niederlanden heißt es ebenfalls, dass weder Desktop noch Browser funktionieren.
Die gute Nachricht: Laut StatusGator sind bestätigte Probleme auf claude.ai beschränkt, während alle anderen Komponenten betriebsbereit sind. Auch Claude Code soll laut einzelnen Nutzern weiterhin funktionieren.
Nicht der erste Ausfall in letzter Zeit
Die aktuelle Störung reiht sich in eine ganze Serie von Problemen ein, die Claude in den vergangenen Tagen hatte. Erst am 28. Februar gab es eine erhöhte Fehlerrate beim neuen Modell Claude Opus 4.6. Auch Claude Sonnet 4.6 hatte am 27. Februar mit Problemen zu kämpfen.
Warum trifft der Ausfall so viele?
Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Claude hat am Wochenende im US App Store ChatGPT überholt und den ersten Platz der kostenlosen Apps erreicht. Der Grund: Anthropic hat seinen Pentagon-Vertrag verloren, weil das Unternehmen rote Linien gegen Massenüberwachung und autonome Waffen gezogen hat.
Das hat eine regelrechte Wechselwelle ausgelöst. Anthropics Zahl der kostenlosen Nutzer ist seit Januar um über 60 Prozent gestiegen, die täglichen Anmeldungen haben sich seit November verdreifacht und brechen laut einem Unternehmenssprecher jeden Tag einen neuen Rekord. Insgesamt zählt Claude mittlerweile 18,9 Millionen monatlich aktive Nutzer weltweit.
Und genau diese massiv gestiegene Nutzerzahl könnte jetzt zum Problem werden. Wenn plötzlich Millionen neuer User auf die Server strömen, steigt die Last enorm. Ob der aktuelle Ausfall direkt damit zusammenhängt, hat Anthropic bisher nicht bestätigt – aber die Häufung der Störungen in den letzten Tagen spricht eine deutliche Sprache.
Was kannst du jetzt tun, wenn Claude nicht funktioniert?
Falls du gerade vor einer Fehlermeldung sitzt, gibt es ein paar Dinge, die du ausprobieren kannst:
- Statusseite checken: Auf status.claude.com siehst du in Echtzeit, ob Anthropic das Problem bereits erkannt hat und daran arbeitet.
- Browser-Cache leeren: Manchmal helfen schon das Löschen von Cookies und Cache für claude.ai.
- Anderen Browser testen: Wechsle auf einen anderen Browser oder teste die mobile App.
- Claude Code nutzen: Da aktuell nur claude.ai betroffen ist und andere Komponenten operativ laufen, kann Claude Code je nach Anwendungsfall eine Alternative sein.
- Abwarten: So simpel es klingt – wenn Claude ausfällt, dauert die Behebung im Durchschnitt rund 321 Minuten laut IsDown-Date.
Anthropic unter Druck: Wachstum vs. Stabilität
Die Häufung der Ausfälle kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt für Anthropic. Das Unternehmen steht gerade im Rampenlicht – politisch wie technologisch. Anthropic wird aktuell auf rund 380 Milliarden Dollar bewertet. Erst im Februar 2026 hat man mit Claude Opus 4.6 und Sonnet 4.6 die neuesten Modelle veröffentlicht.
Gleichzeitig tobt ein politischer Konflikt mit der US-Regierung. Nach einem öffentlichen Streit mit dem Verteidigungsministerium ordnete Präsident Trump an, dass Bundesbehörden die Technologie einstellen sollen. Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete Anthropic sogar als Lieferkettenrisiko für die nationale Sicherheit. Anthropic hat angekündigt, diese Einstufung gerichtlich anzufechten.
Trotz – oder gerade wegen – dieses Konflikts strömen die Nutzer in Scharen zu Claude. Unter dem Motto „CancelChatGPT“ wechseln immer mehr User von OpenAI zu Anthropic, weil sie die Haltung des Unternehmens in Sachen KI-Sicherheit unterstützen.
Wie geht es weiter?
Anthropic hat bisher nur bestätigt, dass man das Problem untersucht. Ein konkreter Zeitplan für die Behebung oder eine Erklärung zur Ursache der erhöhten Fehlerraten steht noch aus. Angesichts der vielen Störungen in der vergangenen Woche dürfte der Druck auf das Entwicklerteam aber enorm sein.
Für dich als Nutzer bleibt erstmal nur: Geduld haben und die offizielle Statusseite von Claude im Auge behalten. Sobald es Updates gibt, wird Anthropic dort informieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich dort auch per E-Mail oder Slack über neue Entwicklungen benachrichtigen lassen.
Eins ist klar: Mit fast 19 Millionen aktiven Nutzern und einem Wachstum, das alle Rekorde bricht, muss Anthropic jetzt liefern – nicht nur bei der KI-Qualität, sondern auch bei der Zuverlässigkeit der Infrastruktur. Denn wer gerade an der Spitze der App-Charts steht, kann sich wiederholte Ausfälle schlicht nicht leisten.

