Timgioh. Vor ein paar Wochen hätte kaum jemand außerhalb der Yu-Gi-Oh-Szene mit dem Namen etwas anfangen können. Dann kam ein Mario Kart-Turnier mit MontanaBlack, ein virales Meme – und plötzlich reden alle über den Typen, der aussieht wie 16 und eigentlich 33 ist.
Vom Yu-Gi-Oh-Nerd zum viralen TikToker
Tim, wie er mit Vornamen heißt, macht seit Jahren Content rund um Yu-Gi-Oh. In seiner TikTok-Bio steht „yugioh spieler seit SDK“ – also seit dem Starter Deck Kaiba, das 2002 in Deutschland rauskam. Da war er noch ein Kind.
Auf TikTok und YouTube lief sein Kanal lange unter dem Radar: Deck-Vorstellungen, Community-Content, Yu-Gi-Oh-Videos. Solides Nischenprogramm, aber nichts, was Millionen Klicks bringt. Das änderte sich, als Tim in einer Mario Kart-Runde mit MontanaBlack, Marli und Eli landete.
Monte fragt, ob Tim Zuschauer sei. Marli geht dazwischen: „Nein, Mann, die ganze Truppe, dicker.“ Der Clip ging als „Monte man yes“-Meme viral. Allein MontanaBlacks eigener TikTok-Post dazu: über 600.000 Likes.
33 Jahre alt, 1,64 Meter groß – und sieht aus wie ein Teenager
Tim ist 33. In seiner TikTok-Bio steht schlicht „Männlich, 33″. Wer ihn zum ersten Mal sieht, glaubt das nicht – er wirkt locker zehn bis fünfzehn Jahre jünger. Dahinter steckt kein Filter und kein Babyface-Glück, sondern eine seltene Erbkrankheit.
In einem ausführlichen Q&A auf YouTube vom Mai 2024 sprach Tim offen über seine Diagnose: Fanconi-Anämie. Eine Knochenmarkerkrankung, die extrem selten ist und bei der der Körper deutlich weniger rote und weiße Blutkörperchen produziert.
Was das konkret bedeutet: Tim wird schneller krank, und wenn es ihn erwischt, dann heftiger. Sein Körper konnte nicht von allein wachsen – er spritzt sich deshalb jeden Abend. Auch der Alterungsprozess läuft langsamer, Barthaare hat er keine. Auch seine Stimme klingt auffallend hoch und jung – wer ihn zum ersten Mal in einem Stream hört, hält ihn oft erst recht für einen Teenager. Im selben Video nannte er auch seine Größe: ungefähr 1,63 bis 1,64 Meter.
Bemerkenswert ist, wie er damit umgeht. Kein großes Drama, keine Mitleidsnummer. Er beantwortet Fragen seiner Community dazu einfach geradeheraus.
Döner mit Monte, eine Challenge – und direkt Stress
Nach dem viralen Mario Kart-Moment streamten MontanaBlack und Tim gemeinsam auf Twitch – mehrere Stunden lang: Döner essen bei Holles „Honest Kebab“, Nintendo Sports, eine Nicht-Lachen-Challenge und jede Menge Memes.
Letztere sorgte sofort für Zoff. Zuschauer warfen Tim im Chat vor, nicht auf den Bildschirm, sondern in die Kamera geschaut zu haben – also quasi gecheated. Tim widersprach: Er habe auf die Bildschirmmitte geschaut, ein Stück oberhalb. Monte bat den Chat, kein „Fitna“ zu machen. Wer sich den ganzen Clip anschaut, sieht: Der fragliche Moment betrifft die ersten Minuten. Danach senkt Tim den Blick.
Wie groß die Reichweite inzwischen ist, zeigt Tims eigener TikTok-Zusammenschnitt aus dem Mario Kart-Turnier: über vier Millionen Aufrufe.
Donkey Kong, Sidney und ein Statement, das kam
Parallel machte ein anderer Clip die Runde: Tim hatte den Streamer SidneyEweka in einem Livestream als „Donkey Kong“ bezeichnet. Die Reaktion: Rassismus-Vorwürfe. Sidney selbst nahm es laut Comicschau eher mit Humor.
Tim erklärte zunächst, der Clip sei zusammengeschnitten worden. Dann ruderte er zurück. In einem späteren Statement gab er zu, Fehler gemacht zu haben – er habe aus „Schutz“ heraus abgeblockt, statt den Fehler direkt zuzugeben. Keine perfekte Krisenkommunikation, aber immerhin eine Korrektur.
MckyTV: „MontanaBlack holt sich gezielt Creator in den Stream“
Auch aus der Szene kam Gegenwind. Streamer MckyTV meldete sich öffentlich zu Wort und warnte Tim, sich nicht zu sehr auf die große Bühne zu konzentrieren. In einem von ingame_de dokumentierten Kommentar schrieb er: „MontanaBlack holt sich gezielt Creator in den Stream, die vorher auf TikTok viral gegangen sind. Ob Anzeigenhauptmeister, Kony oder jetzt dich.“ Die Botschaft: Bleib bei deinem Thema, der Hype geht vorbei.
Kriminologe, Musiker, Creator
Im bereits erwähnten Q&A gab Tim auch einen ungewöhnlich offenen Einblick in sein Berufsleben. Er studierte damals Kriminologie im Master – viertes Semester, mitten in der Masterarbeit. Nebenberuflich: Musiker. Er unterrichtet und spielt Konzerte. Eine Kombination, die man so nicht auf dem Zettel hat.
Über Privates schweigt er konsequent. Beziehungsstatus, Familie – bleibt alles draußen. Neben TikTok ist er auf YouTube und Twitch aktiv – auf Twitch beschreibt er sich als jemand, der seine Zuschauer „mit auf seine Yugi-Reise“ nehmen will.
Und jetzt?
Über 200.000 Follower auf TikTok, tausende Twitch-Zuschauer, ein Thema, das ihn seit über 20 Jahren begleitet. Die Basis ist da. Ob daraus eine langfristige Creator-Karriere wird, hängt davon ab, was Tim mit den nächsten Wochen macht. MckyTVs Warnung steht im Raum. Was daraus wird? Wir bleiben dran.

