Stell dir vor: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf hätten tatsächlich Europas größte Samstagabendshow übernommen. Klingt verrückt? War aber offenbar näher dran als gedacht. Nach dem Abgang von Thomas Gottschalk 2011 suchte das ZDF händeringend nach einer Nachfolge für „Wetten, dass..?“ – und Joko und Klaas standen ernsthaft auf der Kandidatenliste. Die Geschichte, wie es dazu kam und warum am Ende alles ganz anders lief, ist ziemlich wild.
Dinner mit dem ZDF-Intendanten
Als Gottschalk 2011 seinen Posten aufgab, brauchte das ZDF dringend frisches Blut. Neben einigen anderen Namen tauchten dabei auch Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf auf. Thomas Gottschalk selbst plauderte das Ganze in einem Clubhouse-Talk aus, und der zugeschaltete Joko bestätigte: Es gab tatsächlich ein gemeinsames Abendessen mit dem damaligen ZDF-Intendanten Thomas Bellut und dem ZDF-Unterhaltungschef. Allerdings blieb es bei diesem einen Treffen.
Mehr passierte nicht. Laut Joko verlief der Kontakt danach im Sande. Keine Verhandlungen, kein zweites Gespräch, kein Vertrag. Einfach Stille.
Gottschalks ehrliche Einschätzung
Was Gottschalk von der Idee hielt? Der war da ziemlich direkt. Er zeigte sich wenig überrascht über das Scheitern und meinte: „Die Sprache von Joko und Klaas hätte das Kernpublikum vom ZDF verstört.“ Ein Satz, der es in sich hat. Gottschalk sah ganz klar einen Mismatch zwischen dem jungen, frechen Stil des Duos und dem eher konservativen Stammpublikum der Show.
Darüber hinaus war der mittlerweile 70-Jährige auch davon überzeugt, dass die Show grundsätzlich nicht mehr in die heutige Zeit passt. Social Media habe die Spielregeln komplett verändert, so Gottschalk.
Vor Joko und Klaas: Eine lange Liste von Absagen
Das ZDF hatte es nicht leicht bei der Nachfolger-Suche. Nach dem Nein von Hape Kerkeling suchte der Sender unter Hochdruck nach einem neuen Moderator. Laut dem „Spiegel“ versuchten die Mainzer auch, Michael „Bully“ Herbig zu gewinnen – der erteilte der Senderspitze jedoch ebenfalls eine Abfuhr. Auch Jörg Pilawa hatte mehrfach betont, „Wetten, dass..?“ sei kein Thema für ihn.
Am Ende fiel die Wahl bekanntlich auf Markus Lanz, der von 2012 bis 2014 moderierte. Die Quoten sanken deutlich, und 2014 wurde die Show eingestellt. Die Ära Lanz gilt bis heute als wenig glücklich – was natürlich die Frage aufwirft: Hätten Joko und Klaas das besser hingekriegt?
Was wäre gewesen, wenn?
Mal ehrlich: Die Vorstellung ist reizvoll. Joko und Klaas waren 2011 auf dem absoluten Aufstieg. Das ehemalige MTV-Moderatoren-Duo war zu dem Zeitpunkt omnipräsent im Fernsehen – mit „neoParadise“ bei ZDFneo und diversen Formaten bei ProSieben. Sie trafen genau den Nerv einer jüngeren Generation, die mit dem klassischen Samstagabendfernsehen eigentlich nicht viel anfangen konnte.
Aber genau da lag wohl auch das Problem. „Wetten, dass..?“ war ein Generationen-Format, das ältere Zuschauer genauso ansprechen musste wie jüngere. Und die lockere, manchmal anarchische Art der beiden – so genial sie bei ProSieben funktionierte – hätte beim ZDF-Stammpublikum tatsächlich für Irritationen sorgen können.
Statt „Wetten, dass..?“ kam ProSieben – und das war goldrichtig
Dass der Deal mit dem ZDF nicht zustande kam, war rückblickend vielleicht die beste Wendung für alle Beteiligten. Im Januar 2013 verließen Joko und Klaas den Spartensender ZDFneo endgültig und starteten mit „Circus HalliGalli“ bei ProSieben durch, um einem deutlich größeren Publikum bekannt zu werden. Es folgten „Das Duell um die Welt“, „Joko & Klaas gegen ProSieben“ und natürlich Jokos Solo-Hit „Wer stiehlt mir die Show?“.
Im März 2025 verlängerten die beiden ihren Exklusiv-Vertrag mit ProSiebenSat.1 um weitere fünf Jahre. Ein Statement, das zeigt: Das Duo fühlt sich beim Privatsender pudelwohl – und der Sender braucht die beiden mindestens genauso sehr.
ProSieben-Inhaltechef Henrik Pabst nannte Joko und Klaas mit ihrer Produktionsfirma „die wichtigsten und kreativsten Fernsehmacher Deutschlands“, die für innovatives Fernsehen und eine klare Haltung stünden.
Und „Wetten, dass..?“? Kommt tatsächlich zurück!
Die Geschichte der Kultshow ist übrigens noch nicht vorbei – im Gegenteil. Im Januar 2026 wurde offiziell bekannt, dass „Wetten, dass..?“ am 5. Dezember 2026 mit Tom und Bill Kaulitz als Moderatoren zurückkehren soll. Die Neuauflage ist in Halle (Saale) geplant, und vorerst handelt es sich um eine einzelne Ausgabe.
Die Kaulitz-Zwillinge sind damit eine ebenso überraschende wie mutige Wahl. Mit ihrer Band Tokio Hotel, dem erfolgreichen Podcast „Kaulitz Hills“ und der Netflix-Realityshow „Kaulitz & Kaulitz“ bringen sie jede Menge Entertainment-Erfahrung mit. Die Reaktionen auf die Ankündigung fielen gemischt aus – von „grandiose Idee“ bis „großes Risiko“ war alles dabei.
Joko und Klaas vs. Kaulitz-Brüder: Zwei verschiedene Welten
Spannend ist der Vergleich trotzdem. Joko und Klaas hätten 2012 als junge Wilde das ZDF aufgemischt. Tom und Bill Kaulitz bringen 2026 eine komplett andere Energie mit – internationaler, glamouröser, Podcast-erprobt. Ob das funktioniert, wird sich zeigen. Aber eins steht fest: Die Zeit, in der das ZDF nur auf bewährte Gesichter setzt, scheint vorbei.
Für Joko und Klaas selbst bleibt die Fast-Moderation bei „Wetten, dass..?“ eine witzige Fußnote in ihrer Karriere. Eine, über die sie vermutlich selbst am meisten lachen. Denn mal ganz ehrlich: Der Weg, den die beiden stattdessen gegangen sind, war so viel aufregender als jede Samstagabendshow beim ZDF es je hätte sein können.

