Donnerstag, 16. April 2026

Fall Fabian: Das googlete Gina H. nach Fabians Verschwinden!

Was Blutspuren, Schuhabdrücke und eine Internet-Recherche im Fall Fabian verraten könnten.

Der Fall Fabian aus Güstrow lässt Deutschland auch Monate nach dem Tod des achtjährigen Jungen nicht los. Die Staatsanwaltschaft Rostock hat am 9. März 2026 bekanntgegeben, dass die Ermittlungen abgeschlossen sind und Gina H. wegen des Verdachts des heimtückischen Mordes angeklagt wurde. Neue Berichte bringen jetzt weitere Details ans Licht, die ein noch klareres Bild davon zeichnen, was an jenem Oktobertag im Jahr 2025 passiert sein soll. Und sie werfen Fragen auf, die der bevorstehende Prozess am Landgericht Rostock beantworten muss.

Was im Fall Fabian bisher bekannt ist

Am 10. Oktober 2025 blieb Fabian wegen Nasenbluten am Vortag zu Hause, statt in die Schule zu gehen. Seine Mutter Dorina verabschiedete sich morgens gegen halb neun und ging zur Arbeit. Als sie am Nachmittag zurückkam, fehlte jede Spur von ihrem Sohn. Laut Polizei verließ er das Haus gegen 10:50 Uhr.

Es folgte eine groß angelegte Suchaktion mit Hubschraubern, Drohnen und Hunden. Vier Tage später wurde Fabians Leiche an einem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl entdeckt – rund 15 Kilometer von Güstrow entfernt. Der Körper wies Brandspuren auf.

Gina H. – die Frau im Zentrum der Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die 30-jährige Gina H. den Jungen am 10. Oktober mit mindestens sechs Messerstichen tötete, nachdem sie ihn unter einem Vorwand aus seiner Wohnung gelockt hatte. Bei der Verdächtigen handelt es sich um die ehemalige Freundin von Fabians Vater. Die beiden waren mehrere Jahre zusammen, die Beziehung endete Mitte August 2025.

Besonders brisant: Ausgerechnet Gina H. selbst war es, die den Leichnam des Jungen am 14. Oktober am Tümpel bei Klein Upahl fand. Ihre Erklärung dafür wirkt auf die Ermittler alles andere als überzeugend.

Blutfleck auf der Küchenrolle und düstere Google-Suche

Neue Recherchen des Spiegel bringen bisher unbekannte Puzzleteile an die Oberfläche. In Gina H.s Ford-Pick-up, der bereits am 6. November 2025 sichergestellt wurde, entdeckten Forensiker demnach auf einer Küchenrolle einen kleinen Blutfleck, der Fabian zugeordnet werden konnte. Wann das Blut dorthin gelangte, ist allerdings unklar – ein harter Beweis für den Tattag ist es also nicht automatisch.

Zudem soll die Verdächtige in den Tagen nach dem Fund im Internet nachgeforscht haben, ob Wildschweine Leichen fressen. Sie soll außerdem gezielt nach Polizeimeldungen gesucht und ihr Auto gewaschen haben. Für die Ermittler fügt sich das alles in ein Bild möglicher Spurenbeseitigung.

Zeugen berichten von merkwürdigem Verhalten

Was Gina H. noch stärker belastet: Zeugen berichten, dass sie schon mindestens einen Abend vor dem offiziellen Fund am Tümpel gewesen sein und zwei Personen unabhängig voneinander genau dorthin geführt haben soll. Ein Zeuge schildert, mit einer Taschenlampe einen reglosen Körper gesehen zu haben.

Auch das Verhalten beim offiziellen Auffinden der Leiche fiel einem Polizisten auf: Gina H. soll sich als eine Art Stiefmutter vorgestellt und dabei kalt und emotionslos gewirkt haben. Der Beamte protokollierte das sofort.

Schuhspuren am Tatort passen laut Ermittlern zu Schuhen, die bei ihr gefunden wurden. Einen eindeutigen Nachweis, dass Fabian am Tattag in ihrem Wagen saß, gibt es allerdings bisher nicht.

Das mögliche Motiv: Eifersucht und finanzielle Abhängigkeit?

Aus dem Familienumfeld heißt es, Gina H. sei eifersüchtig auf den Jungen gewesen, weil Fabian seinen Vater seit einigen Monaten wieder regelmäßig besuchen durfte. Als mutmaßliches Motiv gilt die Vermutung, dass Gina H. in dem Kind ein Hindernis für eine Wiederannäherung an den Vater sah – und gleichzeitig auf dessen finanzielle Hilfe angewiesen gewesen sein soll.

Kriminalprofessor Christian Matzdorf ordnete die Motivfrage bei Ippen.Media so ein, dass ein Motiv für eine Verurteilung nicht zwingend nötig sei, aber das Strafmaß und die rechtliche Einordnung der Tat stark beeinflussen könne.

Verteidiger sehen die Lage ganz anders

Die Anwälte der Beschuldigten geben sich selbstbewusst. Verteidiger Andreas Ohm betont, die Anklageschrift begründe keinen ausreichenden Tatverdacht. Wahlverteidiger Thomas Löcker nannte den Fall gegenüber t-online einen „ganz schrecklichen Fall“ und merkte an, noch nie habe einer seiner Fälle derart viel Aufmerksamkeit erzeugt.

Das Motiv sei auch ihm ein Rätsel. Löcker sagte wörtlich, er zerbreche sich seit Beginn den Kopf darüber. Die Ermittlungsakte ist mittlerweile auf über 20.000 Seiten angewachsen. Ob Gina H. sich vor Gericht zur Sache äußern wird, ist offen. Bisher schweigt sie zu den Vorwürfen.

Wann beginnt der Prozess gegen Gina H.?

Das Landgericht Rostock will voraussichtlich Mitte bis Ende April über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Danach könnte es schnell gehen. Die Sechs-Monatsfrist der Untersuchungshaft läuft seit der Verhaftung am 6. November 2025. Sollte die Hauptverhandlung nicht bis zum 6. Mai starten, müsste die Akte dem Oberlandesgericht vorgelegt werden, das über eine Verlängerung der U-Haft entscheiden würde.

Mehr als 60 Zeugen sind für den Prozess vorgesehen – darunter auch Fabians Eltern. Wegen des enormen Medieninteresses erwägt das Landgericht Rostock sogar, die Zuschauerplätze im Gerichtssaal zu verlosen.

Was den Fall so besonders macht

  • Keine Tatwaffe gefunden: Das mutmaßliche Messer wurde trotz intensiver Suche auf Mülldeponien, Feldern und dem Tümpelgebiet bislang nicht entdeckt.
  • Kein Geständnis: Gina H. bestreitet jede Tatbeteiligung.
  • Reine Indizienkette: Die Anklage stützt sich auf Zeugenaussagen, Spurenbefunde und Verhaltensauffälligkeiten.
  • Leiche wurde verbrannt: Der Leichnam soll laut Staatsanwaltschaft mit Brandbeschleuniger angezündet worden sein, um Beweise zu vernichten.

Für Gina H. gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung. Der kommende Prozess wird zeigen, ob die Indizienkette der Staatsanwaltschaft vor Gericht Bestand hat – oder ob am Ende Zweifel überwiegen. So oder so: Der Mordfall Fabian aus Güstrow wird noch lange für Gesprächsstoff sorgen.

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